deen

2026
11
Feb

Leben mit einer “verrutschten Rippe”, dem Cyriax Syndrom

Heute feiern wir meinen Nicht-Totzukriegen Tag. Vor drei Jahren überschlugen wir uns mit einem einheimischen Boot in einem Pass in Fidschi und wurden über das Riff gerollt. Christian schaffte es, auf das festsitzende, halb versunkene Boot zu klettern, aber der Skipper und ich wurden von einer starken Strömung zurück in den Pass gerissen. Er ertrank, aber ich schaffte es, trotz fünf gebrochener Rippen und eines Pneumothorax zurück in die brechende Brandung zu schwimmen und über das Riff zum Boot zu gelangen.

Mein Körper erholte sich auf wundersame Weise. Die Lunge heilte ohne Operation von selbst, und auch die gebrochenen Rippen am Rücken verheilten gut. Die Ärzte hatten mir geraten, mich zu bewegen, tief durchzuatmen, zu husten und alles zu tun, um meinen Brustkorb beweglich zu halten. Sie sagten, ich könne alles tun, was nicht wehtut, solange ich nicht wieder stürze. So begann ich nur wenige Wochen nach dem Unfall voller Optimismus mit leichten Übungen und Physiotherapie.

Ihr Rat war falsch. Was auf den Röntgenbildern, den CT-Scans (die in Fidschi durchgeführt wurden) und sogar auf einem späteren MRT nicht zu sehen war, war die Tatsache, dass meine Rippen nicht nur hinten gebrochen waren, sondern auch der Knorpel vorne gerissen war. Ich spürte ständig Bewegungen, seltsame Schmerzen in der Seite, vorne im Brustkorb und sogar im Brustbein. Nie die typischen stechenden Schmerzen, die man normalerweise mit Rippenbrüchen assoziiert, sondern brennende, ziehende, ausstrahlende Schmerzen, die nicht plötzlich auftraten, sondern sich über Tage und Wochen verstärkten. Hätte ich mir zu diesem Zeitpunkt Bettruhe verordnet und jegliche körperliche Anstrengung vermieden, wäre der Knorpel vielleicht zu verheilt. Stattdessen suchte ich weitere Ärzte und Physiotherapeuten auf, die alle darauf bestanden, dass ich Übungen machen müsse, also tat ich es.

Ein halbes Jahr nach dem Unfall, nachdem ich viel gelesen hatte, diagnostizierte ich selbst ein Rippengleiten (dabei verhakt sich eine lose Rippe unter einer anderen) und verordnete mir Ruhe: kein Heben, kein Schieben, kein Ziehen, aber auch kein Bücken und kein Strecken – jede Aktivität unterhalb der Knie (Gegenstände aufheben, Schuhe anziehen) und oberhalb der Schulter (Wäsche aufhängen, nach etwas auf einem oberen Brett greifen) verschlimmerte das Problem. Es ging mir langsam besser, aber jedes Mal, wenn ich etwas Dummes anstellte (einmal rutschte ich auf einer matschigen Straße aus, ein anderes Mal fiel den Niedergang hinunter, als gerade keine Leiter dort war, usw.), und selbst kleine Bewegungen (der Versuch, meinen Nacken oder meine runden Schultern zu dehnen, die von der ständigen Schonhaltung schmerzten) konnten manchmal einen Rückfall auslösen, auf den wochenlange Genesung folgte.

Fast ein Jahr nach dem Unfall folgte ich dem Rat einer guten Freundin und ließ meine Rippen in Australien untersuchen. Dort wurde ich jedoch wie eine Hypochonderin behandelt: Ein Arzt sagte, er bezweifle stark, dass ich mir jemals die Rippen gebrochen hätte, und empfahl mir, die Nerven zu veröden. Ein Physiotherapeut erklärte mir, die Bewegungen in meiner Seite seien lediglich „knackende Gelenke“ und vermutete, ich sei in den Wechseljahren und hätte eine veränderte Schmerzwahrnehmung.
Ich las, dass die meisten Menschen mit Rippengleiten diese Art von Behandlung von Ärzten erfahren, da „jeder weiß, dass Rippen von selbst heilen“ und sich deshalb niemand auf Rippen spezialisiert hat. Die meisten Patienten erhalten erst nach jahrelanger Suche nach Hilfe eine Diagnose, viele werden wahrscheinlich nie diagnostiziert und enden als Schmerzpatienten. Offenbar ist die Zahl der Suizide oder zumindest Suizidversuche unter Patienten mit Rippengleiten hoch.

Ich bin stur, deshalb habe ich nie an mir gezweifelt, trotz all der negativen Rückmeldungen von Ärzten, gutmeinenden Fremden und genervten Freunden („Komm schon, reiß dich zusammen!“). Anderthalb Jahre nach dem Unfall erhielt ich endlich eine vollständige Diagnose in der Rippenklinik in Großbritannien. Ein dynamischer Ultraschall zeigte deutlich, dass die Schäden viel umfangreicher waren als angenommen: Der Rippenknorpel war bis zum hinauf Brustbein gebrochen (dort bestand noch eine Entzündung), einige Verbindungen waren verheilt, zwei blieben jedoch beweglich (daher die seltsamen Schmerzen an verschiedenen Stellen, ausgelöst durch unterschiedliche Bewegungen), und die neunte Rippe klemmte immer unter der achten ein, wenn ich mich nach vorne beugte. Leider konnte mir der Chirurg nicht das übliche Verfahren der Rippenklinik empfehlen (einfache Verkürzung der verschobenen Rippe), sondern riet zu einem komplizierteren Eingriff mit einer implantierten Platte zusätzlich zur Resektion und gab mir nur eine 60-prozentige Chance, dass die Operation meine Situation tatsächlich verbessern würde.

Enttäuscht und deprimiert entschied ich mich gegen eine Operation. Interessanterweise war ich vor dem dynamischen Ultraschall, der meine Rippen durch die erzwungene Bewegung und den Druck stark gereizt hatte, fast beschwerdefrei gewesen und dachte, ich könnte diesen Zustand mit Geduld wieder erreichen. Ich war irgendwie froh, nun Gewissheit zu haben und nicht länger als Hypochonder abgestempelt zu werden, aber es dauerte trotzdem über ein Jahr, bis ich meinen jetzigen Zustand erreicht hatte: Es gibt Phasen, in denen ich schmerzfrei bin, aber ich bin bei jeder Bewegung vorsichtig und hatte noch keine Phase, in der ich mich stabil genug fühlte, um Übungen zur Stärkung der Brustmuskulatur für langfristige Stabilität durchzuführen. Ich habe auf die harte Tour gelernt, auf meinen Körper zu hören. Drei Jahre nach dem Unfall werden die guten Phasen länger und die Rückfälle weniger drastisch, sodass ich immer noch Hoffnung habe, irgendwann wieder ein normales Leben führen zu können.

Im Moment heißt es aber immer noch: kein Heben, kein Ziehen, kein Schieben, kein Bücken. Schwierig in jeder Situation, aber auf einem Segelboot umso mehr. Und auch Fremden gegenüber nicht unbedingt leicht zu erklären, warum Christian alle Einkaufstaschen schleppt, warum ich nicht zugreife, wenn mir jemand etwas Schweres reicht, warum ich mich so vorsichtig wie eine gebrechliche, alte Frau bewege. Mein Körper hat keine Narben, sieht von außen ganz normal aus, nur innen bin ich zergatscht, zerquetscht. Was sich verändert hat, ist mein Gesicht, mit vielen neuen Falten von Bitterkeit, Sorgen, Weinen. Manchmal habe ich immer noch das Gefühl, dass ich hilflos auf den Pazifik hinaus in einen sicheren Tod gerissen werde, aber ich höre nicht auf zu schwimmen.

Hier mein Rat an alle, die sich bei einem Unfall mehrere Rippen brechen: Seid vorsichtig und beginnt nicht zu früh mit Aktivitäten und Übungen. Vielleicht habt ihr Glück und es sind „nur“ Knochenbrüche, aber wenn der Knorpel beschädigt ist, bleibt dies höchstwahrscheinlich unentdeckt. Wer anhaltende Schmerzen, ein Bewegungsgefühl oder Instabilität verspürt, sollte eine slipping rib in Betracht ziehen und sich von qualifizierten Ärzten untersuchen lassen. Meinen Recherchen zufolge gibt es weltweit nur zwei Kliniken, die sich auf Rippenverletzungen spezialisiert haben: die „Rib Injury Clinic“ in London und „Penn Medicine“ in den USA.

2026
06
Feb

Unsere Eindrücke von den mikronesischen Frauen

Frauen in Mikronesien

Das traditionelle Leben wird von "Custom" Regeln bestimmt, die Frauen und Männer strikt in ihrem Alltag trennen. Männer sind scheinbar für Bautätigkeit zuständig und gehen fischen (den Rest des Tages liegen sie herum), während Frauen praktisch ständig kochen, weben, waschen, etc. Auf abgelegenen Inseln gehen Mädchen und Frauen noch oben ohne (obwohl sie Katholiken sind, gehen sie sogar oben ohne in die Kirche, was ja auch Sinn macht, nachdem Gott ihnen den Busen gegeben hat!), aber das heißt nicht, dass hier "Freie Frauenpower" regiert: sie müssen ihre Ehemänner sogar um Erlaubnis fragen, wenn sie nur schnell zum Nachbarn gehen... Geburtenraten sind hoch, wir haben sehr junge Mütter gesehen und viele Frauen sprechen kein Wort Englisch.

(11 Fotos)

2026
03
Feb

Segelkanus in Ifalik

Segelkanus in Mikronesien

Die Vorfahren der Mikronesier entdeckten und besiedelten die winzigen, weit verstreuten Inselchen mit Segelkanus, aber heutzutage flitzen sie lieber mit Außenbordern herum und haben die Kunst der Navigation vergessen. Auf Ifalik verwenden die Dörfler noch große Segelkanus, um auf dem Ozean zu fischen und bei guten Bedingungen segeln sie manchmal sogar 35 Seemeilen nach Woleai oder gar 80 Seemeilen zum benachbarten Elato! Reparaturen werden in Präzisionsarbeit mit einfachem Werkzeug erledigt.

(12 Fotos)

2026
20
Jan

Begegnungen mit Fischfreunden!

Unterwasserbegegnungen, Mikronesien 2026

Es ist ein unglaubliches Erlebnis mit Fischen zu schnorcheln, die nicht gejagt werden und einen Taucher als lustigen zweibeinigen Fisch in ihrer Welt akzeptieren. Wenn ihr so ein Paradies findet, bitte zerstört es nicht mit einer Harpune! Wir verbrachten Stunden mit Schwärmen kleiner Fische und den großen Raubfischen, die diese sogar bei Tag jagen!

(24 Fotos)

2026
19
Jan

Zwei magische, aber schaukelige Wochen in einem unbewohnten Atoll

Olimarao Atoll ist klein und hat ein fast durchgehendes Barriereriff, somit rechneten wir mit einem ruhigen Ankerplatz. Leider ist das Riff so tief, dass Dünung von allen Seiten drüber schwappt und bei Flut schaukelten wir erbärmlich in Kreuzseen, obwohl wir Heckleinen in verschiedene Richtungen zum Ausrichten in die Dünung ausprobierten. Wir schliefen im Endeffekt meist im Überfahrtsmodus (also einer auf der Couch und einer auf einer Matratze am Boden) und während einer Nacht schlug der Kiel bei Ebbe stundenlang auf den Sandboden auf – da hatten wir dann doch etwas zu seicht geankert…

Wir sind jetzt im Nordostpassatgürtel und es bläst meist stark mit entsprechenden Wellen.

Egal, es war den Aufwand und mangelnden Komfort wert, denn wir konnten magische Stunden beim Schnorcheln mit großen Fischschwärmen im Seichten und den diese jagenden Raubfischen verbringen :-) Olimarao ist unbewohnt, aber die Leute auf Elato haben uns erzählt, dass sie (und die Nachbarn aus Lamotrek) zum Schildkrötenjagen dorthin fahren. Offensichtlich waren die Raubzüge sehr effizient, denn wir haben keine einzige Schildkröte mehr gesehen (und das ist kein saisonales Problem, weil bei den benachbarten Atollen viele unterwegs waren). Was auch fehlt sind Seegurken (da war vielleicht ein Chinesisches Schiff zum Ernten hier) und Papageienfische sind auch keine mehr da (vielleicht zu viele Besucher zum Speerfischen), obwohl die angeschlagenen und algenüberwachsenen Korallen dringend Putzer brauchen könnten

Die Hauptinsel mit dem Ankerplatz für Ost und Nordostwind ist hübsch, nicht nur Palmen sondern auch Laubbäume mit vielen Noddie Nestern.

Wir fanden eine verlassene Kirche und viel zu viel Plastikmüll im Wald. Wir verbrannten so viel wir konnten und hoffen, dass nachfolgende Segler ebenfalls ihr Schärflein beitragen werden.

Leider knabbert Erosion an der Küste: wo Google Images noch einen vorgelagerten Sandstrand zeigen, schlagen die Wellen jetzt schon gegen die Bäume. Wir sahen dutzende Stämme versunken vor dem Ufer und die nächste Reihe ist auch schon horizontal – sogar während wir dort waren (mit hoher Flut bei Neumond und etwas Süddünung) fielen schon wieder die nächsten Bäume um. Traurig Küstenerosion und steigendes Meeresniveau so in action zu sehen:

2026
02
Jan

Fotos von unserer Neujahrsfeier in Mikronesien

Neujahr in Elato, Mikronesien

Am 1. Jänner 2026 feierten wir mit den Einheimischen auf Elato Neujahr. Eine kurze Messe, dann bereiteten alle Familien Essensbündel für alle anderen Clans vor. Wir verbrachten den Tag mit viel Warten, Leute schauen und am Ende bekam Birgit noch eine Gesichtsbemalung und wurde ausgiebig mit Parfum besprüht - angeblich alte Tradition, vor Ankunft von Lippenstift und Parfum wurde wohl mit anderen Mitteln gearbeitet. Wir hatten in unserem Essenkorb Taro-Gerichte und eine Kokoskrabbe, aber glücklicherweise weder Hund noch Schildkröte - die Dörfler hatten vorsichtshalber im vorhinein nachgefragt und so blieben uns diese Spezialitäten erspart ;-)

(26 Fotos)

2025
31
Dec

Wir wünschen euch allen ein gesundes, glückliches und sicheres Jahr 2026!

2025 sind wir etwa 2800 Seemeilen gesegelt, haben über 50 Inseln und mehr Inselchen erkundet, als ich auf der Karte zählen kann, haben wunderbare Juwele unberührter Natur gefunden und eine Ecke der Welt besucht, in der Touristen so rar sind, dass wir uns wie echte Entdecker fühlten!

Anfang des Jahrs 2025 saßen wir in einer Flaute fest und statt westwärts zu motoren, erkundeten wir die vielen Inselchen um New Hanover (im Norden Papua Neuguineas) und waren überrascht, dass kaum jemand dorthin kommt – trotz der Nähe zur populären Stadt Kavieng. Dann machten wir einen Törn hinauf nach Musau, wo wir einen Jahresvorrat an Gemüse einkochten, weil die Einheimischen einfach nicht mit dem Tauschhandel aufhören wollten… Wir sahen mehr Schildkröten, Rochen und Haie als in einem Naturreservat, dank der strengen Diätregeln der Sieben-Tage-Adventisten dort ;-)

Wir nutzten jeden Hauch einer Brise, um dann wieder ostwärts entlang der Nordseite von PNG zurück zu den Salomonen zu segeln, wo wir ein halbes Jahr blieben. Erst erkundeten wir die Inseln, dann folgte eine endlose Wartezeit auf eine Lieferung von Solarpaneelen aus Australien. Nachdem wir unser Projekt für Simon’s Nature Reserve abgeschlossen hatten, wollten wir eigentlich wieder los, doch dann setzte mich eine Staphylokokken Infektion außer Gefecht. Wieder genesen mussten wir dann noch den Besuch des Veterinärs in Honiara abwarten, damit endlich die Testosteron-Zufuhr unseres Bordtigers abgeschnitten wurde…

Dann ging’s nordwärts zu den östlichen Atollen PNGs mit ihren freundlichen Dörfern (manche Polynesisch, andere Melanesisch), toller Unterwasserwelt und Seevögelkolonien. Wir ignorierten den schlechten Ruf Bougainvilles und wurden mit atemberaubenden Landschaften und wunderbarer Gastfreundschaft an Ankerplätzen, wo die Leute noch nie ein Segelboot gesehen hatten, belohnt.

Jetzt sind wir mitten auf unserem Törn durch Mikronesien, mit seiner weit verstreuten Kette aus halb-versunkenen Atollen mit winzigen, isolierten Dörfern und einigen unbewohnten Tierparadiesen. Wir freuen uns schon darauf, 2026 mehr von diesem faszinierenden Revier zu sehen!

2025 war ein gutes Jahr für uns, aber ein schwieriges für den Planeten während die Menschheit in fast allen Bereichen des Lebens in Riesenschritten rückwärts ging. Die Fortschritte Richtung Frieden, Toleranz, Gleichberechtigung und Umweltschutz die im 20. Jahrhundert und frühen 21. Jahrhundert schon erzielt wurden und die in Stein gemeißelt schienen, sind nun plötzlich wieder in Gefahr oder schon rückgängig gemacht, während fake news und KI die Menschen weiter verunsichern. Wir versuchen optimistisch zu bleiben und unser Wunsch für 2026 ist, dass die Leute aufwachen, sich auf die Beine stellen und der Hausverstand sich gegen die aktuelle Neanderthaler-Mentalität durchsetzt, bevor die Gier nach kurzfristigem Profit und das Recht des Stärkeren alles und jeden ruinieren.

Hier das Lied zum Jahr 2026, die Welt braucht “unfucking” ;-)
Hier das offizielle Video von Prophets of Rage Unfuck the world, falls das blockiert ist, gibt’s eine Audio Version hier

2025
28
Dec

Wir haben unsere Drohne verloren…

Kurz nach dem Start ging ein Batterie-leer Alarm los, aber Droney war schon zu weit weg, um es noch heim zu schaffen. Im Fall eines kaputten Akku wird ein automatischer Sinkflug eingeleitet, aber wenn man über dem Wasser fliegt, endet so eine Notlandung mit einem großen PLATSCH.
Unsere MavicAir hat uns über die letzten fünf Jahr unsere Lieblingsinseln so gezeigt, wie sie sonst nur Vögel sehen. Hier ein paar unserer Lieblingsfotos von Franz. Polynesien, Fidschi, den Solomonen und von Papua Neuguinea. Adieu Droney, wir vermissen schon jetzt den Blick aus der Vogelperspektive, die fröhliche “Fertig-zum-Starten” Melodie und den rebellischen Fluchtversuch am Ende jedes Flugs, wenn Christian seine Hand zum Fangen ausstreckte.





2025
26
Dec

Fotos von Weihnachten auf dem Inselchen Puluwat

Weihnachten 2025 in Mikronesien

Wir waren bei der freundlichen, katholischen Gemeinde des kleinen Inselchens Puluwat zur Weihnachtsfeier eingeladen. Erst eine Messe, dann Singen und Reden im Gemeinschaftshaus und letztendlich ein Festessen - jede Familie brachte Gerichte aus Taro, Bananen und Brotfrucht (einige fermentiert, andere mit Kokosmilch), ein Schwein war zur Feier des Tages geschlachtet worden und leider auch zwei Schildkröten (die haben wir nicht probiert).

(14 Fotos)

2025
24
Dec

Frohe Feiertage!

Wir wünschen euch ein frohes Fest, woran auch immer ihr glaubt (oder auch nicht) :-)
Was unsere arme, angeschlagene Welt jetzt braucht ist Toleranz, Frieden und dass alle gemeinsam die wirklich wichtigen Probleme anpacken.

Liebe Grüße von einer idealen Pitufa-Crew

und von der wirklichen Crew ;-)

2025
23
Dec

Ein- und Ausklarieren in Weno, Chuuk

Die Föderierten Staaten von Mikronesien sind nicht wirklich föderiert, sondern eher separiert. Verschiedene Versorgungsschiffe versorgen die verschiedenen Archipele und reist man von einem Gebiet ins nächste, muss man jedesmal ein- und ausklarieren und sogar den Pass stempeln lassen.

Tipp: Man muss unbedingt um ein Cruising Permit ansuchen, BEVOR man nach Mikronesien segelt. Sendet Formular, Seebrief, Crewliste und Pässe an eugenemarquez82@yahoo.com
Das Formular findet sich hier https://visit-micronesia.fm/wp-content/uploads/2021/11/permit.pdf

Wie auf Noforeignland empfohlen, schrieben wir einen Tag vor unserer Ankunft in Chuuk E-Mails an die Einwanderungsbehörde, den Zoll und die Biosicherheitsbehörde und kontaktierten die Hafenbehörde per WhatsApp (VHF 16 wird nicht überwacht), erhielten aber keine Antwort. In Weno ankerten wir vor dem Truk-Stop Hotel (direkt außerhalb des Docks an einem kleinen Pavillon; man darf das Dock benutzen, wenn man im Restaurant freundlich fragt) und bekamen endlich eine Antwort von der Hafenbehörde per WhatsApp. Wir erklärten, dass wir müde seien und die Abfertigung bis zum nächsten Morgen verschieben wollten – kein Problem, hieß es.

Am nächsten Morgen war es stürmisch und böig, deshalb fragten wir, ob wir mit dem Beiboot kommen könnten, anstatt mit Pitufa am Pier längsseits zu gehen – keine Antwort. Also bereiteten wir Pitufa vor, entfernten das Solarpanel an der Seite, holten die Fender heraus, suchten nach langen Leinen usw. Gerade als wir das Boot fertig hatten, bekamen wir die Nachricht: „Sie können mit dem Beiboot anlegen.“ Also ließen wir das Dingi ins Wasser, montierten den Außenbordmotor – und bekamen ein E-Mail von der Einwanderungsbehörde, dass wir doch längsseits anlegen müssten, da Beamte das Boot betreten und inspizieren wollten. Na toll. Also entfernten wir erneut das Panel und die Fender und legten längsseits an. Die Beamten kamen mit dem Auto, blickten skeptisch vom hohen Steg hinunter auf das Deck und beschlossen, doch nicht herunter zu klettern. Christian kletterte stattdessen hinauf und erledigte die Formalitäten in drei verschiedenen Autos…

Vor dem Ausklarieren schrieben wir erneut E-Mails an alle Büros und kontaktierten sie per WhatsApp – wieder ohne Erfolg. Also gingen wir zum Hafen und fanden das Büro der Hafenbehörde: Die meisten Leute waren bereits im Weihnachtsurlaub, aber Marcus, der Assistent des Hafenmeisters (vielen Dank!!!), fuhr uns mit seinem Auto zur Finanzabteilung (um unsere Gebühren zu bezahlen: 25 USD Check-in, 25 USD Ankergebühr für die ersten zwei Tage und 10 USD für jeden weiteren Tag), weiter zur Einwanderungsbehörde (wo die Dame mit einem Lächeln und einem „Frohe Weihnachten“ die Pässe abstempelte) und schließlich zum Zoll. Die Dame dort benahm sich, als käme sie gerade von einer Schulungswoche am Flughafen LAX (dem unfreundlichsten Flughafen der Welt, wo man von Sicherheitsleuten angebrüllt wird, die glauben, sie arbeiten in einem Hochsicherheitsgefängnis ;-) ).

„Abfahrtszeit?“
„Na ja, nachmittags, sobald wir mit dem Papierkram fertig sind.“
„Um wie viel Uhr?“
„Hm, 16 Uhr?“
„Dann kommt um 15 Uhr wieder!“
(Es ist 12 Uhr und wir warten schon seit 22 Uhr an verschiedenen Orten …) „Okay, dann fahren wir um 14 Uhr.“
„Dann müsst ihr um 13 Uhr wieder hierher kommen!!“
(Mit dem Auto zurück und dann noch einmal zu Fuß ins Büro – das würde eine Stunde dauern …) „Okay, dann fahren wir halt um 13 Uhr los, das ist in einer Stunde.“
Misstrauen huscht über ihr Gesicht: „Warum ändert ihr ständig eure Abfahrtszeit?“
(Weil du mich dazu zwingst, du Funsn!) „Weil wir losfahren, sobald wir mit dem Papierkram fertig sind. Je eher Sie uns die Clearance geben, desto eher segeln wir weg.“
Wir gingen schließlich mit der Clearance und der unterschwelligen Drohung hinaus, dass sie zur Inspektion des Bootes kommen würde, was sie letztendlich aber nicht tat…

Hier sind die derzeit aktuellen Kontakte, viel Glück, falls ihr hinfahrt ;-)
philbisalen.20@gmail.com, pbisalen@gmail.com, dot.chuuk@gmail.com, mailocathy93@gmail.com, chuukimmigration.doj@gmail.com, chuukquarantine04@gmail.com, lowrainray@gmail.com

Das Büro von Port Control ist leicht gefunden: durch die Werkhalle am Hafen, vor der Müllhalde scharf links, den Gang entlang durch 2 Türen und dann im 1. Stock ;-)

2025
22
Dec

Weno, Chuuk, FSM

Wir hatten gehört, dass die Lagune von Chuuk ein Taucherparadies sei, somit erwarteten wir eine hübsche, touristische Hauptstadt Weno. Stattdessen fanden wir eine schmutzige, heruntergekommene Stadt, die eindeutig bessere Zeiten gesehen hat, mit vielen geschlossenen Geschäften und einer offiziellen Müllhalde im Stadtzentrum am Hafen.
Wir erwarteten uns auch ein amerikanisches Angebot in den Geschäften (Mikronesien hängt an den USA), aber die Mengen an ultra-processed Lebensmitteln voller Kornsyrup und Transfetten war dann doch schockierend. Wir konnten nicht einmal Milchpulver finden, in dem einfach nur Milch drin ist (wie überall sonst im Pazifik). Das Pulver hier enthält Süßstoffe und Konservierungsmittel – nicht das, was wir unserem Kefir füttern sollten… Kein Wunder, dass Diabetes hier ein Riesenproblem ist.
Nach fast drei Monaten ohne Supermarkt gingen uns trotz eigenem Garten und eingekochtem Gemüse (vom Überangebot in Papua Neuguinea) Basislebensmittel aus, somit stockten wir Dosen, Reis, Mehl, etc. auf (billiger als sonstwo im Pazifik), aber auf der Suche nach Gemüse fanden wir nur künstlich aussehende Riesen auf Steroiden — alle aus den USA importiert. Sogar die Eier kommen aus Kalifornien!!

Abgesehen vom zweifelhaften Nährwert ist es auch traurig zu sehen, dass sich ein Pazifikstaat so abhängig von Lebensmittelimporten macht! Fast niemand baut Gemüse an (abgesehen von den üblichen Verdächtigen Taro, Brotfrucht, Bananen und Papaya): Geschäftseigner geben den faulen Einheimischen die Schuld, Einheimische machen den schlechten Boden verantwortlich, aber es sind auch nirgends Samen zu finden! Ace Hardware verkauft Erde, Dünger, Töpfe, etc. aber keine Samen. Wir fanden im Endeffekt heraus, dass die Einfuhrgesetze für Samen so streng sind, dass nur das Ministerium für Landwirtschaft welche ausgeben dürfte! Wir fanden das Büro am Ende der Stadt, in einem versteckten Gebäude ohne Schild…
Sinnvolle Entwicklungshilfe wäre eine Kampagne zum Propagieren von Kompostierung zur Verbesserung des Bodens und Workshops mit Anleitung und vielleicht noch Gratis-Samen als Motivation… Ich ärgere mich so, dass ich Regierungsstellen und Entwicklungshilfeorganisationen anschreiben werde. So nervig. So dumm. So einfach zu verbessern…





2025
13
Dec

Fotos von Nukuoro

Nukuoro Atoll, Mikronesien

Wir verbrachten eine Woche auf diesem Polynesischen Atoll. Weniger als hundert freundliche Leute, ein sauberes Dorf, schöne Korallen und wir wurden Zeugen des "Christmas Drop": eine jährliche Tradition seit 1952; ein Flugzeug wirft Weihnachtsgeschenke für die Einwohner winziger Atolle in Mikronesien ab!

(26 Fotos)

2025
07
Dec

Fusion food mit lokalen Zutaten

Was mir am Kochen am meisten taugt, ist brandneue, noch nie dagewesene Gerichte aus lokal erhältlichen Zutaten zu basteln. So cool, wenn’s wieder mal was gibt, was in dieser Form noch nie zuvor aufgetischt wurde (und was auch noch gut schmeckt).
Auf den Polynesischen Inseln hier in Mikronesien wird nicht viel angebaut, nur Brotfrucht, Papaya, Bananen und Taro (und wir mögen Taro nicht besonders). Glücklicherweise sind sowohl Brotfrucht als auch Papaya wahre Küchenchamäleons und können in einer ganzen Reihe von Rezepten einspringen. Die Einheimischen essen Papaya süß als Frucht, Brotfrucht wird entweder ganz im offenen Feuer gegrillt oder zu einem Brei verarbeitet (poi).

Das ist recht und schön, aber ich mach aus beidem viel mehr. Ich verwende Papaya noch dunkelgrün als Gemüse: gerieben im Tsatsiki (mit Joghurt oder Kefir) als Gurkenersatz, in Streifen geschnitten und gebraten in Stirfrys als Bambussprossen, oder in Streifen geschnitten und gekocht in Thai Curries or Italienischem Risotto (quasi als Zucchini).

Brotfrucht verwenden wir auch, bevor sie weich und reif wird. Wenn der grüne Ball noch fest, aber nicht mehr steinhart ist (meist einen oder zwei Tage nach dem Pflücken), ist der richtige Zeitpunkt. Ich schäle und schneide sie in Stücke, die dann dampfgegart werden (einfach mit der Gabel anstechen, wie Kartoffeln, wenn sie weich sind sind sie durch). Im Anschluss kann man die Brotfrucht einfach als Wedges in der Pfanne braten und als Beilage oder als Hauptdarsteller mit Dips servieren.

Oder man kann die noch heißen Stücke zu einem Teig verarbeiten, ähnlich wie Kartoffelteig!

Hier ist mein „Rezept“ für Brotfrucht-Gnocchi mit grüner Papaya und Thunfischsauce. Ich wiege die Zutaten nie ab, und die Konsistenz des Teigs hängt stark vom Reifegrad der Brotfrucht und der Garstufe ab. Daher kann ich keine genauen Mengenangaben machen, sondern es ist eher eine Richtlinie, damit ihr selber kreativ mit Brotfrucht werden könnt, falls ihr hier im Pazifik seid!

Nehmt eine kleine oder eine halbe große Brotfrucht und dämpft sie 10 bis 20 Minuten auf dem Herd, bis sie weich ist. Schneidet die heißen Stücke klein, gebt ein Ei dazu (falls ihr noch eins habt), 2 bis 3 Esslöffel Maniokmehl (oder Kartoffelmehl) und eine ordentliche Prise Salz hinzu und verknetet alles zu einem Teig. Falls der Teig zu trocken ist, gebt ein weiteres Ei hinzu (oder etwas Wasser und Olivenöl, falls ihr keine Eier mehr habt). Falls der Teig zu klebrig ist, etwas Mehl hinzufügen ;-)
Kleine Knöderl formen, einen Topf mit Salzwasser zum Kochen bringen und die Gnocchi hineingeben. Ein paar Minuten kochen lassen, dann den Topf vom Herd nehmen und die Gnocchi kurz ziehen lassen, bevor sie in ein Nudelsieb abgegossen werden.

Für die Sauce: Ein Stück Papaya raspeln, etwas Knoblauch hacken und beides in Olivenöl anschwitzen (mit Salz und Pfeffer abschmecken). Thunfischstücke dazugeben und kurz anbraten. Mit einem Schuss Weißwein (oder selbstgemachten Most, falls kein Weißwein vorhanden ist, oder ein paar Tropfen Essig, falls ihr weder Wein noch Most habt) aufgießen, kurz köcheln lassen, Sahne (oder Milchpulver und einen Löffel Maisstärke in etwas Wasser verrühren) unterrühren und mit den Gnocchi servieren!

Und hier ist eine Rezeptidee für Brotfrucht-Laibchen mit Thunfisch-Carpaccio:

Bereitet das Carpaccio ein bis zwei Stunden vorher zu. Entweder nach einem klassischen italienischen Rezept, oder so wie meine etwas würzigere, asiatische Variante: Thunfisch in Sashimi-Qualität fein hacken, geriebenen Ingwer, Kapern oder Essiggurken und idealerweise gehackte Karotten, Lauch oder Sellerie (falls vorhanden) hinzufügen. Nach Geschmack mit gehackten Chilischoten oder Chiliöl, Fischsauce, Essig (von den Gewürzgurken) und Sesamöl würzen. Alles vermengen und in den Kühlschrank stellen. Brotfrucht erst dampfgaren und einen Teig wie den Gnocchi-Teig mischen, aber er muss nicht ganz so glatt sein. Dafür kann man Samen (Leinsamen, Sonnenblumenkerne usw.), Haferflocken oder was halt da ist, hinzufügen. Laibchen formen und in etwas Olivenöl goldbraun braten.
Die Laibchen schmecken warm oder kalt mit dem Carpaccio, etwas Basilikum drüberstreuen (falls ihr einen Bordgarten habt), dazu passen Wein oder Most und am besten sollte man das ganze nach einem schönen Tag in einer türkisen Lagune servieren :-)

2025
29
Nov

Samstag in Kapingamarangi

Am Samstag ist viel los im Dorf, überall wird Essen zubereitet, weil die strikten Christen am Sonntag kein Feuer machen dürfen, somit wird für den Tag des Herrn vorgekocht… Wir spazierten durchs Dorf, schauten zu und wurden vom Chief zum Abendessen eingeladen. Somit düsten wir heim und begannen selber zu kochen, denn man will ja nicht mit leeren Händen anrücken.
Gerade als wir ins Dingi steigen wollten, legte der Wind mit einem Squall aus West zu und wir begannen auf der Ostseite des Atolls ordentlich zu schaukeln. Ein Blick auf Windy: der Wetterbericht hatte sich spontan geändert, jetzt sagten wie plötzlich Starkwind aus NW für die Nacht voraus. Viel zu gefährlich an der Muring vorm Dorf.
Wir schrieben also dem Chief eine Entschuldigung per FB messenger, motorten mit dem letzten Licht ins geschützte Nordeck und ankerten dort. Die vorbereiteten Gerichte aßen wir dann die nächsten drei Tage selber, während es blies und regnete…
So ist das Seglerleben, der Wind bestimmt unsere Tage ;-)

Verona, eine der Lehrerinnen, gab uns gegrillten Fisch und Brotfrucht Chips mit, als wir bei ihrem Haus vorbei kamen

Daheim beim Chief wurde Kokosmilch gemacht

Taro geraspelt

und Weckerl aus Weizenmehl gerollt

Der Brotofen sieht einfach aus

hat aber Unter- und Oberhitze!

Schweinderl sind überall angebunden, das war aber für Sonntag nicht auf dem Menüplan, sondern darf noch bis Weihnachten leben…

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